Petroio

Petroio ist eine malerische Ortschaft mit der für die Gegend typischen Kegelform, gelegen auf einem Hügel 487 Meter über dem Meeresspiegel. Eine einzige schmale Strasse windet sich spiralförmig um die alten Stadtmauern, antiken Häuser, Palazzi und Kirchen. Die Ursprünge des Ortes sind etruskischer Natur, wie man vom Namen, aus dem Etruskischen “Petruni” (oder auch aus dem Lateinischen “Praetorium”), und von den archäologischen Funden ableiten kann.

In antiken Anmerkungen der Kirchenarchive von Arezzo und der staatliche Archive von Siena wird der Ort “Castro Pretorio” genannt, während er in einem Dokument der Annalen der Kamaldoleser, welches vom Konsistorium 1180 unter Papst Alexander III berichtet, bei dem beschlossen wurde, die lokale Kirche von S.Pietro in einer einzigen Pfarre mit der Kirche von S.Andrea di Abbadia Sicille zu vereinigen, “Pretorio” heisst (Villa oder Herrenhaus).

Petroio war, ebenso wie Trequanda, im Besitz der Cacciaconti della Scialertga aus dem Jahr 1175, unter der Verwaltung der Gemeinde von Siena. Seit 1271 hatte ein Magistrat, der von der Republik Siena geschickt wurde und seine Aufgabe vom Gemeindepalast ausübte, die Macht, Unerwünschte zu eliminieren.
Aus den Statuten von Siena aus 1349 und 1360 geht hervor, dass “mezzo staio” (Scheffel) Salz jedem Bewohner des Krankenhauses von S.Andrea in Petrolio zugesprochen wurde, das in der gleichnamigen, auch heute noch existierenden Kirche lag.

Der Ort wurde Ende des XIV. Jahrhunderts zum Lehen der Familie Salimbeni und anschließend der Familie Piccolomini-Bandini, fiel später jedoch erneut unter die Herrschaft der Republik von Siena, bis zu deren Fall 1555, als es Teil des Großherzogtums der Toskana wurde. Das Statut von Petroio wurde unter Papst Paul IV verfasst.

Wenn man die Reste der Stadtmauern betrachtet und der Straße folgt, die ins Innere des Ortes führt, gelangt man zur kleinen Kirche von S.Andrea, früher Sitz des Krankenhauses. Vom antiken Tor von Petroio, das seit langem zerstört ist, blieb nur ein Tempelkreuz, das in den Felsen gehauen und zum Teil von Kapernsträuchern bedeckt ist.

Die alte Terracotta-Fabrik mit ihren Schlöten hinter sich lassend, kann man linkerhand die romanische Kirche von S.Giorgio bewundern, die älteste von Petroio, in der Bilder aus dem XVII. und XVIII. Jahrhundert erhalten sind. Ebenso auf der linken Seite findet man den antiken Gemeindepalast, welcher jetzt ein Terracotta-Museum beherbergt. Auf dem gleichnamigen Platz befindet sich die Kirche von SS. Pietro und Paolo, mit einigen Bildern unbekannter Künstler aus dem XVII. und XVIII. Jahrhundert und einem herrlichen Ölgemälde des aus Siena stammenden Künstlers Rutilio Manetti (1571-1639), welches die Himmelfahrt mit Heiligen und Serafen darstellt.
Gleich daneben, im Pfarrhaus, kann man ein Bild des ebenso aus Siena stammenden Künstlers Taddeo di Bartolo (1362-1422) bewundern. Es zeigt die Gottesmutter mit Kind. Weiter auf der rechten Seite findet man die Kapelle der Compagnia del Corpus Domini, in welcher sich ein Gemälde des letzten Abendmahls aus der Festung aus dem XVII. Jahrhundert findet, die ursprünglich Residenz der Cacciaconti und anschließend des Magistrats aus Siena war.

Am Ende der Treppe, welche zum Eingang der Festung führt, befindet sich eine kleine Terracotta-Statue des Bartolomeo Garosi, genannt “il Brandano”. Er war ein berühmter und exzentrischer mittelalterlicher Prediger. Typisch für die Ortschaft ist die Verwendung von noch heute kunsthandwerklich erzeugten Terracotta-Gegenständen zu Schmuckzwecken.

Wenn man der Straße, die von Petroio nach Castelmuzio führt, folgt, hat man ein herrliches Panorama, mit Wäldern, Weingärten, Feldern, Zypressenalleen und den Gebirgsprofilen von Pienza, Montalcino und des Monte Amiata. Bei Sonnenuntergang ein unvergesslicher Ausflug. (zitiert aus XXX)